INFO

FORTSCHRITT IM TAL DER AHNUNGSLOSEN

(PROGRESS IN THE VALLEY OF THE PEOPLE WHO DON'T KNOW)

 

67'  -  1:1.85  - 5.1.  -2k  -   DCP / BluRay

German / Arabic (English ST)

 

Überschattet von fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Dresden treffen sich ehemalige Werksarbeiter der DDR und syrische Flüchtlinge in einem selbstorganisierten Integrationskurs um Erinnerungen an ihre verlorene Heimat zu beleben.

 

ein Dokumentarfilm von Florian Kunert

 

Editor                          Ian Purnell, Florian Kunert

Darmaturgie            Herbert Schwarze

Bildgestaltung       Joanna Piechotta

Sounddesign           Stefan Voglsinger

Musik                          Stefan Galler, Franziska Henke

Ton                               Christian Bläsche, Stefan Voglsinger

Produzenten            Stefan Gieren, Sarah Schreier

                                      Florian Kunert

 

Eine Produktion der Storybay. In Koproduktion mit Kunsthochschule für Medien Köln und Florian Kunert.

 

gefördert durch

Mitteldeutsche Medienförderung

Film- und Medienstiftung NRW

Kulturstiftung des Freistaats Sachsen

Sächsische Landesanstalt für Rundfunk und Medien

SYNOPSIS

30 Jahre nach dem Mauerfall wird in dem ehemals volkseigenen Betrieb „Fortschritt“ das Erbe der Deutschen Demokratischen Republik neu verhandelt.

 

Wo früher Mähdrescher hergestellt wurden, wohnen jetzt Asylbewerber, die sich mit wöchentlichen, rassistischen Demonstrationen in Ostdeutschland konfrontiert sehen.

 

Die syrischen Asylbewerber bekommen von ehemaligen Werksarbeitern Hilfe bei ihrem Deutsch-Orientierungskurs. Was mit einer humorvoll inszenierten Deutschklasse in der „Fortschritt“-Ruine beginnt, endet mit Schulstunden in Staatsbürgerkunde und einem GST-Militärlager. Getrieben von der persönlichen Befangenheit des Regisseurs, der in das Ende der DDR hineingeboren wurde, werden die Re-enactments dekonstruiert und die gesellschaftlichen Prägungen des DDR-Alltags sichtbar.

 

In dieser Erinnerungsarbeit geht es vor allem um die Sprache, die Vermutungen zulässt, aber nie bestätigt. Die nostalgisch schwelgt und es sich zugleich verbietet.

 

Archivmaterial knüpft das sozialistische Band der Freundschaft zwischen Syrien und der DDR neu, das die Staaten in den Achtzigerjahren miteinander verband. Der ortsansässige Heimatchor kommentiert in DDR-Liedern Anspruch und Wirklichkeit des ersten, deutschen Arbeiter- und Bauernstaates. Dabei steht alles und jeder für mehr als nur sich selbst.

 

Die „Fortschritt“- Ruine wird zum Symbol einer verlorenen Heimat, das die Grenzen zwischen der DDR und Syrien, zwischen damals und heute verschwimmen lässt. Der Versuch einer Annäherung, eine sozialistische Utopie.

 

 

TEASER

GALLERIE

REGIESTATEMENT

 

Seit Oktober 2014 versammeln sich in Dresden jeden Montag tausende Menschen unter dem Namen „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA), um gegen die deutsche Asylpolitik zu protestieren. Warum ist der Protest in Ostdeutschland so viel größer und gewaltbereiter als im übrigen Land?

 

Ich begann diese Frage im Hinblick auf die Vergangenheit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu recherchieren. Dabei interessiert mich vor allem die psychologische Bedeutung der Wende 1989. Bei vielen wurde das persönliche Identitätsgefühl durch den Verlust der nationalen Zugehörigkeit tief erschüttert. Aber die passive Teilnahme an der friedlichen Revolution resultierte nicht zwangsläufig in einer inneren Verarbeitung oder einem Verständnis, in welcher Form man vielleicht ganz konkret vom DDR-Regime beeinflusst wurde. Als Kind zweier Eltern, die in der DDR gelebt haben, möchte ich die Komplexität und die tiefen Widersprüche dieses Verlustes erforschen. Dabei konzentriere ich mich auf das „Tal der Ahnungslosen“, eine Region in Ostdeutschland, die damals kein Fernsehsignal aus dem Westen als alternative Informationsquelle zur DDR-Propaganda empfangen konnte. Das Gebiet stellt heute den Ursprung der fremdenfeindlichen PEGIDA-Bewegung dar.

 

Ich stand vor der Frage, wie ich eine visuelle Sprache finden kann, um die die oft subtile, soziale Konditionierung des DDR-Alltags sichtbar zu machen? Der experimentelle Charakter der Inszenierung des Films hilft dabei, über die gewohnten, oft nostalgischen Narrative der persönlichen Geschichte hinaus zu gehen und Raum zu schaffen für eine instinktive Wortwahl zum Ausdruck der Erinnerungen. Die syrischen Asylbewerber spielen im Finden dieser neuen Sichtweise auf die DDR-Geschichte eine wichtige Rolle, indem sie ihren eigenen, zeitgeschichtlichen Kontext der Debatte hinzufügen.

 

1989 geboren, habe ich die DDR nie direkt erlebt, dennoch habe ich mir oft die Frage gestellt, inwiefern ich Teil ihrer kollektiven Erinnerung bin. Im Archivmaterial des DDR-Fernsehens finde ich die fehlenden Bilder für dieses Erinnerungsgefühl. Der Film trägt diese Erinnerungsbilder in das ehemalige Fabrikgebäude von „Fortschritt“, das seit seiner Schließung in den Neunzigerjahren als Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber diente. Geschichtliche Bedeutung auf ein Gebäude zu übertragen und dann dessen Zerstörung zu filmen, hat etwas Befreiendes, was es mir ermöglicht hat den DDR-Werdegang retrospektiv nachzuempfinden. „Fortschritt“ wird damit zum Raum, in dem das Erbe der DDR und seine Auswirkungen auf die heutige Zeit hinterfragt werden.

 

 

 

 

SCREENINGS

... Weltpremiere im  Februar 2019

Weltpremiere im Februar 2019

KONTAKT

|